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- nova
- 30. März 2020
- 2 Min. Lesezeit
Bist du süchtig?
Nada Andjelic
Auch in diesem Monat haben wir ein einheitliches Thema in der Redaktion zum Schwerpunkt genommen, bei dem wir die Wichtigkeit erkennen, dieses in mehreren Facetten darzustellen. Ein Thema, das nicht nur in einem einzigen Beitrag behandelt werden kann und eigentlich noch viel mehr Tiefe in sich trägt, je mehr man sich damit beschäftigt. Eine Herausforderung, vor die alle Menschen gestellt werden: Sucht.
Die Mähr des ausgefransten und verdreckten Junkies wurde spätestens in der Mitte der 1990er Jahre entzaubert mit dem Aufkommen erster Studien zur Videospielsucht. Damals waren verpickelte Teenager die „Süchtler“. Jetzt sind wir es, die ohne unseren Kick nicht mehr auskommen. Der Thrill der Likes oder anderer Benachrichtigungen. Wer mehr zur Handy-Sucht nachlesen möchte, dem empfehle ich unseren Schwerpunkt „Smartphone“.

So bin ich es gewöhnt
Wir sind alle süchtig, wir nennen es nur oft gewöhnt. Wir sind gewöhnt an unseren Kaffee und unseren Partner, der uns vielleicht schlecht behandelt. Wir sind es nun mal gewöhnt, hier und da zu arbeiten und auf eine gewisse Art zu empfinden. Wir Menschen können uns wortwörtlich an an alles gewöhnen. Doch Gewohnheit beschreibt diese Zustände nicht realistisch. Diese Beschönigung macht es auch nicht leichter. Das sagen auch ExpertInnen der Drogenprävention, die über die verschiedenen Stadien der Sucht sprechen. Mit dieser Bagatellisierung unserer eigens angenommenen Hölle transportieren wir unsere Körper damit durch unseren Alltag, ohne uns jemals erkenntlich zu geben, schon gar nicht vor uns selber.
Shopping, Drogen, Sex, Alkohol, Musik, Bücher, Anerkennung, Mitmenschen, Medikamente, Netflix, Wetten, Tierzucht, Macht, Ablenkung, Whatsapp, Make Up, Sport, Designer-Sachen, Adrenalin, Kuscheltiere, Nikotin, Wellness, Pillen, Duftkerzen, Partys, Streit: Nichts, das wir wirklich brauchen - auf der anderen Seite jedoch schon. Das sind Zustände, die in uns passieren, die uns süchtig machen. Meist nur angelernte Muster, die wir nie geändert haben und in denen wir (meist blind) festsitzen. Dank unseres Gehirns und den biochemischen Abläufen unseres Körpers sind wird dazu imstande, nach allem süchtig zu werden. Doch dank unseres Bewusstseins sind wir auch in der Lage, uns von allem zu lösen.

Die Sucht nach negativen Emotionen
Aktuell liest man immer wieder von Thematiken, die die Sucht nach bestimmten Gefühlen beschreiben. So wie etwa die Sucht nach einer toxischen Beziehung, von der man sich nicht lösen kann oder will, weil dann der Kick ausbleibt, den man erlebt. Auch die Sucht nach Anerkennung in sozialen Medien ist topaktuell.
Doch ich finde es wichtiger, zu erkennen, wonach man selber süchtig ist und sich vor allem nicht mit der Diagnose zufrieden zu geben. Das heißt nicht, dass es leicht ist, sich von seiner Abhängigkeit zu befreien, aber es hilft, darüber zu sprechen - und zwar mit Anderen. Denn wir sind alle süchtig, das ist auf jeden Fall sicher. Entscheidend ist, zu erkennen, wie man im Alltag damit umgeht und sich selbst zu beobachten.
Auch der Zustand der Sucht hat seine Grautöne. Je nach Individuum ist auch der Umgang mit den eigenen Thrills und den damit zusammenhängenden Folgen verschieden. Das Erkennen, das tatsächlich Wahrnehmen ist schon wichtig. Was man damit macht, ist einem selbst überlassen.
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