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Kontakt ins Jenseits

Autorenbild: novanova

Zwischen Esoterik, Energetik und der inneren Stimme

Ute Fuith


Wohin gehen, wenn wir sterben? Gibt es ein Danach und existiert ein Davor? All diesen Fragen gehen jene Menschen nach, die davon überzeugt sind, dass es mehr zwischen Himmel und Erde gibt, als unser Verstand erfassen kann.


Zu Anita Ratschiner kommt man durch ein verwinkeltes Labyrinth aus Gängen und Stiegen per Lift in den obersten Stock einer Wohnanlage in der Nähe der Donau. Ihr Mann macht die Tür auf. Seine Frau verabschiedet sich gerade von einer Kundin und nimmt mich dann gleich mit in ihren Behandlungsraum. Dort ist alles rosa, gelb und lila und es duftet nach Jasmin und Sandelholz. An den Wänden hängen Bilder von Engeln und Heiligen. Bevor es losgeht, erzählt Anita, wie sie zum Medium geworden ist: „In meiner Familie hatten fast alle dieses Talent – und auch ich habe schon als Kind gelernt, damit umzugehen“. Zum Beruf gemacht hat sie ihre Fähigkeit aber erst vor einigen Jahren. Als Humanenergetikerin ist sie Mitglied der Wirtschaftskammer und an bestimmte Regeln gebunden. „Wir können die körpereigenen Energiefelder aktivieren, bieten aber keine Heilbehandlung an“, erklärt Anita. Die Wirkungsweise und der Erfolg energetischer Behandlung ist naturwissenschaftlich nicht bewiesen, aber Anita ist überzeugt: „Es gibt nichts was es nicht gibt.“ Ihren Kund*innen, die meist wegen Beziehungsproblemen, dem Verlust geliebter Menschen oder mangelndem Selbstwertgefühl kommen, rät die Energetikerin: „Viele Antworten findet man in sich selbst. Man muss nur lernen, sie zu hören.“


Anita Ratschiner. Foto: Ute Fuith.

Im Selbsttest

Um mir ein Beispiel ihrer Arbeit zu geben, bietet mir Anita eine Rückführung an. Ich lege mich auf das rosa Massagebett, schließe die Augen und begebe mich unter Anleitung der Energetikerin in Trance. Ich sehe mich erst als Nomadin durch Wälder streifen und Beeren sammeln. Gerade bin ich noch in einem mittelalterlichen Städtchen und braue Kräuterelixiere und kurz darauf spaziere ich schon an einem wild tosenden Meer entlang. Mit sanften Worten holt mich Anita aus meiner Vergangenheit in die Gegenwart zurück. Mir ist ein bisschen schwindlig, aber das sei normal. Ob das, was ich da gesehen habe, wirklich Botschaften aus meinen früheren Leben gewesen sind, oder einfach nur ein Tagtraum, weiß ich zwar nicht, aber es hat gut getan.


Marina Daschner. Foto: Ute Fuith.

Nah am Himmel

Ganz oben wohnt auch Marina Daschner - und zwar im 26. Stock eines Hochhauses in Wien Brigittenau. Ihre zwei Hunde begrüßen mich freudig, der Raum ist lichtdurchflutet, der Fernblick vom Balkon aus atemberaubend und an der Wand steht eine beeindruckende Whisky-Sammlung. Marina ist in Jerusalem aufgewachsen und der Liebe wegen nach Wien übersiedelt. „Mein Mann war der erste, der meine übersinnliche Begabung erkannt hat. Gemeinsam haben wir dann eine Ausbildung für Intuitions- und Bewusstseinstraining absolviert. So bin ich zum Channeling Medium geworden“, erzählt Marina.

„Sobald du mit mir in Kontakt trittst, öffnest du den Kanal von deinem Höheren Selbst aus der geistigen Welt, mit dem ich dann kommuniziere“, erklärt mir Marina. Sie versteht sich als Übersetzerin spiritueller Botschaften. Zu Beginn ihrer Tätigkeit fühlte sich die Mutter zweier Kinder oft überfordert von all den Informationen aus den höheren Sphären: „Ich habe aber gelernt, mich abzugrenzen, damit die Probleme meiner Kund*innen nicht zu meinen eigenen werden“, sagt Marina. Sie berät in beruflichen und privaten Dingen auf Hebräisch, Englisch und Deutsch.

Herbert "Charly" Lechner. Foto: Foto Weinwurm.

Energetik oder Esoterik

Immer wieder muss sich Herbert „Charly“ Lechner als Berufsgruppensprecher Humanenergetik der Wirtschaftskammer Wien dagegen wehren, dass der Begriff Esoterik als Schimpfwort verwendet wird. „Zentral für die Esoterik ist die Bedeutung der Spiritualität und die Überzeugung, dass der Mensch nicht zufällig auf der Erde ist“, erklärt Lechner. Das Leben sei in sinnhafte Zusammenhänge gebettet. Historisch betrachtet wurde esoterisches Gedankengut im 19. Jahrhundert in Richtung Spiritismus weiterentwickelt. „Das ist der Glaube an Geister und nicht menschliche Entitäten, mit denen man beispielsweise via „Channeling“ kommunizieren kann. Diese Tätigkeit ist aber kein Bestandteil des Berufsbildes der Humanenergetik“, sagt der Berufsgruppensprecher. Er definiert Energetik als „eine Dienstleistung, bei der energetische Methoden laut Methodenkatalog der Wirtschaftskammer angewendet werden.“ Übergeordnetes Ziel dieser Arbeit sei, das Energiesystem eines Menschen, eines Tieres oder auch eines Raumes wieder in Fluss zu bringen.

Aus Sicht Lechners seien der „positiven Wirkung der Humanenergetik keine Grenzen gesetzt, da es bei der Aktivierung der Selbstheilungskräfte auch keine Grenzen gibt. Wir arbeiten aber niemals am Krankheitsbild der Klient*innen, sondern unterstützen diese beim Steigern ihres subjektiven Wohlbefindens und ihrer Lebensqualität“, unterstreicht Lechner. Menschen mit psychischen oder schweren Erkrankungen würden nur in Absprache mit dem begleitenden Arzt unterstützt. Ein Heilversprechen geben Energetiker*innen nicht ab.


„Wir begleiten Menschen in verschiedensten Lebenslagen und mit unterschiedlichsten Anliegen, um das Wohlbefinden und die Lebensqualität zu erhalten oder zu steigern. Menschen, die zu uns kommen, können krank, gesund, jung, alt, glücklich oder traurig sein. Wir helfen ihnen, ihr Wohlbefinden und ihre Lebensqualität zu erhalten und zu steigern“, sagt Lechner.

 


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